Schrittfahrt nach Buxtehude2017-01-24T20:34:14+00:00

Project Description

Vom Hasen und Igel.

Schrittfahrt nach Buxtehude

„Sied jener Tied hat es sick keen Haas wedder infallen laten, mit’n Buxtehuder Swinegel in der Wett to loopen.“ Was verbindet eine Schrittfahrt zum Bahnhof Buxtehude mit der Geschichte von Hase und Igel?

„Schrittfahrt nach Buxtehude“ ist eine Schrittfahrt nach Buxtehude. Durch das Zugfenster trödelt ein Landschaftsaquarium vorüber, begleitet von der berühmten Geschichte des langsamen, aber siegreichen Igels auf der Buxtehuder Heide, vorgelesen von vier der plattdeutschen Sprache Unkundigen. Nichts ist, wie es sein sollte, aber so soll es sein.

Regie: Peter Roloff
Genre: Kurzfilm
Dauer: 12 min.
Format: HD

Regie | Kamera Peter Roloff
Montage Manfred Hielscher
Vorleser Oliver Behnecke | Monika Kiesewetter | Ellen Röhlich | Frauke Roloff
Text nach Wilhelm Schröder „Het wettloopen tüschen den Haasen und den Swinegel up der Buxtehuder Heid“ (1845)
Produktion maxim film

Filmemacher Peter Roloff über die Entstehung des Films:

Im Herbst 2008 bin ich in Cuxhaven für eine Produktionsbesprechung des Dokumentarfilms „Kai des Aufbruchs“. Bei der Sichtung von Aufnahmen bin ich begeistert von einer langsamen Bootsfahrt um den Amerikahafen, die Kameramann Horst Herz und Regisseurin Brigitte Krause einige Tage zuvor gedreht hatten. Während meiner Rückfahrt bleibt der Regionalzug auf offener Strecke stehen. Ein möglicher Defekt, so die Durchsage, darum wird es ab jetzt per sicherer Schrittfahrt bis zum nächsten Bahnhof Buxtehude gehen. Die Minuten verstreichen im Schneckentempo, an der Bahnstrecke wundern sich Passanten über das gemächliche Eisenross, in der Ferne überholt ein Jogger den Zug. Die vorbeistreichende Landschaft aber zieht mich in den Bann, ein eigentümlicher visueller Sog. Es ist dieselbe Konstellation wie die gefilmte Bootsfahrt: Konstant niedrige Geschwindigkeit, die spürbare Staffelung von Vorder,- Mittel- und Hintergrund. Fast dreidimensionale Wirkungen, die sich bei einer Normalfahrt nicht einstellen. Ich drehe mit einer zufällig mitgeführten kleinen Videokamera aus dem Oberdeck der Regionalbahn einen lotrechten und präzise seitlichen Blick in stoisch konstanter Geschwindigkeit.

Einige Wochen vergehen zusammen mit dem Cutter Manfred Hielscher mit gelegentlichen Versuchen, wie die plastische Wirkung der Langsamfahrt gesteigert werden könnte, und es entwickelt sich daraus das Konzept einer panoramatischen Bahnfahrt durch Vervielfachung des Filmbildes bei leichtem zeitlichen Versatz. Dann fällt mir etwas in die Hände. Die Berliner Künstlerin Susanne Schmitt realisiert seit einigen Jahren die Aktion „24“ – ein Adventskalender mittels eines von ihr inszenierten Ringtauschs von Objekten der teilnehmenden Personen. In meinem Kalender finde ich das Büchlein „Het Wettloopen tüschen den Haasen und den Swinegel up der Buxtehuder Heid“, erzählt 1845 von Gustav Schröder. Eine Geschichte über den Sieg der Langsamkeit.

Ich erinnerte mich an einen Kurzfilm, Sebastians Winkels „Hase und Igel“ aus dem Jahr 2000, in dem eine Gruppe ausländischer Sprachschüler des Goethe-Instituts die Geschichte von Hase und Igel auf Deutsch nacherzählt. Die Schüler kämpfen mit den Tücken der deutschen Sprache und der kleinen Geschichte. So reifte in mir der Gedanke, die im Original plattdeutsche Geschichte von Deutschen vorlesen zu lassen, denen Niederdeutsch eine völlig fremde Sprache ist. Auch sie kämpfen sich nun wie die Goethe-Schüler durch einen Text, der ihnen spanisch vorkommt. Was um Gottes Willen treibt der Swinegel denn da? Er „quinkelerde en lütjet Liedken vör sick hin“? Und was macht der Hase, wenn „de Haas ganz uuter sick vör Ihwer schreede“? Drei Seiten eines fremdsprachigen Textes wurden so zur Schwerstarbeit. Und zugleich zu einer tastenden Schrittfahrt in eine neue Sprachwelt.

Premiere
kunstfrühling 2011
Bremen – Gleishalle am Güterbahnhof
12. Mai 2011

Verleih und DVD Vertrieb für „Verlorenwasser 1-2-3-4“
Basis Film-Verleih
www.basisfilm.de

Weltvertrieb
maxim film