Project Description

Eine deutsche Kolonie.

Togoland – Bilder aus der Musterkolonie (AT)

Im westafrikanischen Togo kommen vor unserer Kamera Filme zur Aufführung, die vor einem Jahrhundert in der deutschen Kolonie „Togoland“ entstanden. Auf unserer Reise zu den damaligen Drehorten entdecken wir zusammen mit dem Publikum im heutigen Togo Filmbilder aus den letzten Jahren der deutschen Kolonialzeit. Gemeinsam befragen wir dabei das Filmmaterial nach dessen geschichtlichem Hintergrund und dem Wirken des Kolonialismus bis heute.

Regie: Jürgen Ellinghaus
Genre: Dokumentarfilm
Länge: ca. 90 min.
Format: HD / DCP 5.1
Status: in Vorbereitung
Fertigstellung: 2021/2

Französischer Arbeitstitel: Togoland, Projections Impériales

Buch & Regie:
Jürgen Ellinghaus
Kamera: Rémi Jennequin
Ton: Caled Boukari
Schnitt: Florent Mangeot
Produktionsleitung: Quentin Laurent, Henriette Degener
Förderungen: CNC – Centre national du cinéma et de l’image animée; nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH (Produktion); PROCIREP; Région Sud; Centre Val de Loire; viàVosges TV, Epinal

Redaktion: Rolf Bergmann, rbb
Produzenten: Frédéric Feraud, Quentin Laurent, Peter Roloff
Koproduktion: Les Films de l’œil sauvage mit maxim film und Rundfunk Berlin-Brandenburg

Fotos dieser Website: © Les Films de l’oeil sauvage

Vor einem Jahrhundert endete abrupt das von Überlegenheitsdenken, Weltmachtstreben, Missionsgeist, Konquistadoren- und Abenteurertum geprägte deutsche koloniale Experiment. Vor sechs Jahrzehnten wurde die Republik Togo von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen. Der Dokumentarfilm „Togoland – Bilder aus der Musterkolonie“ unternimmt eine Bestandsaufnahme des Verhältnisses dieses afrikanischen Landes zu seinen früheren Kolonialmächten (im Vordergrund stehen dabei Deutschland und Frankreich).

In der Darstellung der Geschichte der kolonialen Beziehungen zwischen Europa und Afrika zeichnet sich heute ein Perspektivenwechsel ab. War der Blick lange Zeit fast ausschließlich ein eurozentrischer, auf den afrikanischen Kontinent – Inbegriff von “Fremdheit” und “Wildnis” – als Objekt gerichteter und gestützt auf europäische Quellen und europäische Medien, so kommen, nicht zuletzt unter dem Einfluss einer neuen Generation afrikanischer Historiker mit einem erweiterten, transnationalen bzw. kontinentalen archivarischen Blickfeld, inzwischen neue Ansichten zum Durchbruch. Diese stellen, wenn auch zum Teil unter Schwierigkeiten und gegen interessengebundene Widerstände, hergebrachte Muster von Repräsentation der heutigen afrikanischen Nationalstaaten bis hin zu deren Selbstverständnis zunehmend in Frage.

Togo ist in dieser Hinsicht gleich mehrfach betroffen, hat das Land doch in kurzer Zeit drei Phasen kolonialer Beherrschung und Missionierung erfahren, dann die erste deutsche Niederlage gegen die Alliierten im Ersten Weltkrieg, und in deren Folge eine nie verwundene territoriale Spaltung verbunden mit neuen Formen von Kultur- und Sprachimperialismus. Gerade in Togo werden heute aber auch jahrzehntelang kolportierte Klischeevorstellungen zur Kolonialgeschichte, die zum großen Teil von den Kolonisatoren übernommen worden waren, der Kritik unterworfen. Togolesische wie deutsche Stimmen weisen auch auf den Umstand hin, dass es im Verhältnis Togo-Deutschland nie einen Dekolonisierungsprozess gegeben hat.